Die Ankündigung einer neuartigen Werkrealschule durch das Kultusministerium hat zu einer großen Verunsicherung über die Zukunft unserer Hauptschulen gebracht. Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen, Eltern und nicht zuletzt Schülerinnen und Schüler fragen sich, ob ihre Schule nun zur Werkrealschule wird, eine Hauptschule ohne Zukunftsperspektive bleibt oder ganz geschlossen werden soll.

Unabhängig davon haben sich schon seit etlichen Jahren die Befürworter einer allgemeinen 10. Klasse versucht, Gehör zu verschaffen. Wieso sollte man nicht allen Kindern 10 Schuljahre anbieten – nicht nur innerhalb der Werkrealschule – für Hauptschüler ebenso wie für Förderschüler?

Die Jugendlichen, die sich auf dem Lehrstellenmarkt am schwersten tun, werden als Allerjüngste (in der Regel mit 15 Jahren!) aus der Schule entlassen. Viele, die nicht sofort etwas anderes finden, landen im „Sammelbecken“ BEJ oder BVJ, an einer anderen Schule mit neuen Mitschülern und neuen Lehrern. Was für die Werkrealschüler gilt, gilt natürlich auch für diese Schüler: all diese Wechsel führen zu starken Brüchen in der (oft sowieso schon schwierigen) Bildungsbiografie.

Und nochmals den Schlag gegen das eigene Selbstbewusstsein zu verkraften, dass es nirgends einen Ausbildungsplatz oder eine weitere Schule gibt, die einen haben will – und wieder in einer Klasse zu sein, in der wieder alle den Eindruck haben, dass sie die Verlierer sind – das ist auch nicht sehr hilfreich bei der Anstrengung, seine Fähigkeiten den Anforderungen des Ausbildungsmarktes anzunähern. Eines Ausbildungsmarktes, auf dem es in der Realität oft so aussieht, dass Ausbildungsplätze erst an 18jährige vergeben werden. Sollte es nicht doch möglich sein, diese Jugendlichen an ihrer eigenen Schule noch ein weiteres Jahr zu unterrichten? Die Stärken können gefordert werden, an den Schwachstellen kann noch gearbeitet werden. Wenn das Ziel ist, die Abschlussnoten zu verbessern, kann in einem Jahr viel passieren! Vor allem, wenn man bedenkt, dass „die meisten im Laufe der 9. Klasse aus dem Pubertätsloch wieder auftauchen und dann ernsthaft ans Lernen denken und sich richtig reinknien – aber dann sind sie weg ….“ (Zitat einer Hauptschullehrerin). Der GEB Stuttgart unterstützt die Forderungen nach einer allgemeinen 10. Klasse – in Haupt und Förderschulen und bittet alle Beteiligten, diese Option ernsthaft zu überprüfen.

Stuttgart, November 2007

Wir wehren uns gegen eine Bildungspolitik des Landes, die bis heute nicht erkannt hat, dass die Zukunft der Schulen und die unseres Landes ganz eng miteinander verknüpft sind. Bildung wird über die Zukunftsfähigkeit der gesamten Gesellschaft entscheiden. Dazu müsste man aber die Erkenntnisse der heutigen Pädagogik aufgreifen und in die Tat umsetzen. Dazu brauchen wir eine individuelle Förderung der Kinder sowie Bildungskonzepte, die zum Lernen ermutigen.
Alle guten Vorschläge sind aber nur über deutlich kleinere Klassen zu erreichen. Mehr Lehrkräfte müssen eingestellt werden! Die notwendigen Kosten sind eine Investition in die Zukunft des Landes. Genauso macht man es ja auch mit Stuttgart 21. Hohe Investitionssummen werden beschlossen um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes und der Stadt zu erhalten. Ähnlich ist es mit der Bildung. Die Summen werden in derselben Größenordnung liegen.